Norbert Schüller: ein Mäzen von ganzer Seele

HERRIEDEN. Will man das Wohnzentrum Schüller im mittelfränkischen Herrieden besuchen, passiert man kurz nach der Autobahnausfahrt der A6 eine Ausstellungshalle, an der der Slogan „Der Küchenprofi in der Region“ prangt – zwei Merkmale, die auch das Verhältnis von Geschäftsführer und Inhaber Nobert Schüller zum Windsbacher Knabenchor charakterisieren: Er legt großen Wert auf Professionalität und fühlt sich der Region verpflichtet. In seinem Engagement als Mäzen der jungen Sänger lebt er diese Einstellung.
 
Es ist gut 20 Jahre her, da wurde Norbert Schüller, sonst eher Freund von Oper und Operette, auf die Windsbacher aufmerksam: „Ich bin kein Musikwissenschaftler, aber ich liebe die Musik“, sagt er von sich selbst. Besonders Mozart und Verdi hätten es ihm „im fortgeschrittenen Alter“ angetan. Und eben der A cappella-Gesang aus Windsbach. Was übrigens auch irgendwie etwas mit diesem „fortschreitenden Alter“ zu tun hat: Aus reiner Freude und ein bisschen als Gedächtnis-Übung lernt Norbert Schüller nämlich Gedichte auswendig. Keine Frage, dass ihm besonders ein Konzert der Windsbacher in Erinnerung geblieben ist, das er vor Jahren in der Orangerie zu Ansbach hörte: Auf dem Programm standen neben einem Textrezital vor allem Volkslieder.
 
Neugierig geworden machte sich Norbert Schüller auf den Weg nach Windsbach – um mal „zu schauen, was denn dahintersteckt“. Ist er heute im Chorzentrum ein geschätzter und vor allem gern gesehener Gast, machte er damals noch einen Bogen ums Chorbüro – und holte sich sein Informationsmaterial im Rathaus. Die Neugier wurde mit den vorhandenen Prospekten einerseits befriedigt, andererseits aber auch erst richtig geweckt: Schüller besuchte Konzerte – vor allem diejenigen, die für ihn von Herrieden aus gut erreichbar waren: „Als Selbständiger hatte ich damals eben noch nicht so viel Zeit“, sagt er fast ein bisschen entschuldigend. Da der Inhaber des Möbelhauses Schüller tatsächlich „von null“ angefangen hat (und heute ein florierendes, gut gehendes Geschäft sein Eigen nennt), waren im anfangs mehr oder weniger auf eine Person zugeschnittenen Unternehmen lange Urlaube eher ein Ding der Unmöglichkeit.
 
Heute hat Schüller zum Glück ein bisschen mehr Zeit und man könnte sein Verhältnis zum Chor augenzwinkernd als das eines „Groupie“ bezeichnen, reist er den Windsbachern doch auch gerne mal hinterher, um das Konzerterlebnis beispielsweise in Baden-Baden oder auf der Wartburg dann mit anderen kulturellen Aspekten zu verbinden. Außerdem erinnert er sich gerne an die Art und Weise, wie er gemeinsam mit den Choristen und nicht zuletzt über die Musik auf Konzertreisen in Australien, Südamerika oder Spanien Land und Leute kennenlernen durfte. Und vor allem: den Chor! Bislang hatte er ihn nämlich „nur“ finanziell und daher in seinen Augen eher unpersönlich unterstützt. Natürlich wurde Norbert Schüller damals sofort Mitglied der Fördergesellschaft, als er von deren Existenz und Arbeit erfuhr. Darüber hinaus engagierte er sich auch jahrelang im Stiftungsrat des Chores.
 
Und einer wie Norbert Schüller weiß, wann es sinnvoll ist, Gelder zu investieren. Er selbst hat drei Kinder – zwei Töchter und einen Sohn. Auch wenn dieser kein Windsbacher war, unterscheidet Schüller doch zwischen „Sympathisanten, Förderern und Eltern, die ihre Jungs im Internat haben“. Vor allem letztere brauchen Unterstützung, das weiß auch Schüller: „Wenn die private Wirtschaft die Windsbacher nicht unterstützen würde, dann gäbe es diesen Chor doch längst nicht mehr, denn die Zuwendungen der Kirche gehen ja auch immer weiter zurück“, sagt der Katholik, dem die Konfession in diesem Punkt nicht so wichtig ist: „In Windsbach singen ja auch viele katholische Jungs.“ Mittlerweile ist Norbert Schüller auch Mitglied im Patronat des Windsbacher Knabenchores. Und er merkt, wenn hier der Schuh drückt; dann engagiert er sich unaufgefordert: finanzielle Zuschüsse etwa für die Reisetätigkeit des Chores, eine neue Küchenzeile für das Chorbüro, Einrichtung für die Klause des Studienheims…
 
Besonders der überregionale Bekanntheitsgrad der Windsbacher ist Schüller eine Herzensangelegenheit: „Viele, auch bei uns in der Region, wissen doch gar nicht, was sie da in und an Windsbach haben“, stört er sich am höheren Bekanntheitsgrad anderer Ensembles, die einfach nur öfter im Fernsehen zu sehen seien.
 
Denn dass in Windsbach auch über das rein Musikalische Großartiges geleistet wird, davon ist Norbert Schüller überzeugt: „Man sieht hier junge Menschen heranwachsen und erwachsen werden.“ Wo die Politik gerne und oft von der Wichtigkeit der Bildung spricht, geht Schüller viel pragmatischer an die Sache ran, denn genau dieses Thema werde gerade in Windsbach groß geschrieben: „Wenn man unsere Jungs sieht und hört, dann ist das einfach nur bewundernswert.“ Die Leistung der Knaben und vor allem das Wirken des Chorleiters Karl-Friedrich Beringer, der jedes Jahr mit dem Abgang der Abiturienten wichtige Stützen in den Männerstimmen verliere und es trotzdem immer wieder schaffe, den Chor auf dem gewohnten Niveau zu halten, quittiert er mit hohem Respekt: „Stellen Sie sich das mal in sportlicher oder noch besser: in betrieblicher Hinsicht vor: Wenn da jedes Jahr die Leistungsträger wegbrechen würden!“ Keine Frage, dass natürlich auch das Plakat, mit dem die Windsbacher für ihre Eignungsprüfungen und somit für ihren Nachwuchs werben, im Fenster des Wohnzentrums Schüller hängt.
 
Die vom Inhaber bei den Windsbachern bewunderte Leistung wird auch im Wohnzentrum geboten: 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liefern von der Beratung über den Verkauf bis hin zu Auslieferung und Montage sowie Service mit Garantie alles aus einer Hand. Als echter Mittelständler behauptet sich das Möbelhaus Schüller erfolgreich gegen die großen Möbelketten – und überzeugt mit persönlicher Kundenbeziehung und -zufriedenheit, die für den Inhaber genauso wichtig ist wie der Umsatz. Dass davon dann noch etwas für caritative Zwecke übrig bleibt, ist für Norbert Schüller eine Selbstverständlichkeit: „Von dem Geld, das man verdient, muss man auch wieder was weitergeben.“
 
Das übrigens sagt kein Leiter eines großen Konzerns, für den Euros Peanuts sind, sondern einer, der sich nicht zu schade ist, sich mit einer eigens für diesen Zweck angeschafften Drehorgel vor die Lorenzkirche oder andere Gotteshäuser in der Region zu stellen, wo die Windsbacher Motetten oder kostenlose Konzerte geben, um für „seine“ Windsbacher zu sammeln: „Wenn man ins Kino oder Theater geht, ist es doch selbstverständlich, dass man den entsprechenden Eintritt zahlt. Und in der Motette hören Sie einen Chor von Weltniveau zum ‚Nulltarif?!“
 
Damit das auch so bleibt, dürfen sich die Windsbacher über Mäzene wie Norbert Schüller freuen. Über Freunde und Förderer, die immer ein offenes Ohr für die Belange des Chores haben – und sich mit dem anderen Ohr an der Musik von Bach & Co. erfreuen. Oder eben an Volksliedern.
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