„Das ist etwas Einzigartiges“

Als die Windsbacher in Bamberg und während der darauf folgenden Konzertreise nach Spanien das Deutsche Requiem von Johannes Brahms sangen, waren dies für alle Beteiligten besondere Erlebnisse. Einen haben diese Konzerte besonders berührt: den Bariton Thomas Laske, wie er im Interview erzählt.
 
Frage: Wie haben Sie die jüngste Zusammenarbeit mit dem Windsbacher Knabenchor erlebt?
 
Thomas Laske: Die letzte Zusammenarbeit mit dem Windsbacher Knabenchor waren für mich die Konzerte in Bamberg und Spanien mit dem Brahms-Requiem. Ich war diesmal besonders gespannt, weil gerade dieses Werk für den Chor sehr schwer zu singen ist und wahrscheinlich für fast alle Knabenchöre über das Leistbare hinausgeht. Ich war mir allerdings auch sicher, dass die Windsbacher auch dieses mit Bravour meistern würden und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Es wurde das schönste Brahms-Requiem, das ich je erlebt habe, weil sich die Wucht von Brahms' Musik mit der transparente Klangschönheit des Windsbacher Knabenchores gepaart hat
 
Frage: Erinnern Sie sich noch an das erste gemeinsame Konzert? Wie lernten Sie die Windsbacher da kennen?
 
Thomas Laske: Auch das erste Konzert führte mich nach Spanien, damals mit dem Mozart-Requiem. Ich hatte die Windsbacher vorher nie live gehört und war von der Klangkultur des Chores, aber auch von der Musikalität und Interpretation Karl-Friedrich Beringers sehr beeindruckt.
 
Frage: Was zeichnet diesen Knabenchor gegenüber anderen Ensembles besonders aus?
 
Thomas Laske: Eben diese Klangkultur – für mich, wenn man so will, eine Mischung aus der Homogenität eines guten Rundfunkchors und der Frische von Knaben- und jungen Männerstimmen. Das ist etwas Einzigartiges, was ich so vorher noch nie gehört habe.
 
Frage: Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit Karl-Friedrich Beringer?
 
Thomas Laske: Karl Friedrich Beringer ist für mich der ideale Dirigent für alle Stücke, die ich bisher mit ihm erlebt habe. Seine Interpretationen zeichnen sich durch eine große Intensität aus. Das Besondere ist dabei, dass alles einen Zusammenhang hat, es also immer weiter geht und nichts den musikalischen Fluss durchbricht. Für mich als Solist wiederum ist es eine sehr angenehme Arbeit, weil er mir keine Interpretation aufzwingt, sich aber einmischt, wenn etwas in die falsche Richtung läuft oder diesen Zusammenhang verliert. Wir sind da sehr auf einer Wellenlänge, was die Arbeit so schön macht.
 
Frage: Sie wurden ja selbst in einem Knabenchor musikalisch sozialisiert. Wie wichtig war dies für Ihre spätere Karriere?
 
Thomas Laske: Meine Zeit im Knabenchor hat wahrscheinlich meine Karriere als Musiker erst ermöglicht. Ich zehre heute noch von dem damals Erlernten, sowohl in musikalischer als auch menschlicher Hinsicht. Wir waren bei den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben zwar kein Internatschor, aber hatten doch in der Regel vier zweistündige Proben in der Woche und aufs Jahr gesehen etwa 50 Konzerte und Gottesdienste mit ständig wechselndem Repertoire. Das geht nur, wenn man sowohl musikalisch gut vorbereitet ist und schnell lernt als auch viele menschliche Werte wie Kameradschaft oder Selbstdisziplin vermittelt bekommt. Unser damaliger Leiter Prof. Gerhard Wilhelm war in seinem Anspruch an den Chor Karl-Friedrich Beringer sehr ähnlich. Auch das Ensemblesingen, das in der musikalischen Ausbildung an den Hochschulen so gut wie nicht gelehrt wird, im Beruf aber über 50 Prozent ausmacht, ist ein Aspekt, der sich heute noch für mich auszahlt.
 
Frage: Als für wie wichtig erachten Sie überhaupt die musikalische Erziehung im Kindesalter?
 
Thomas Laske: Aus der Hirnforschung weiß man heute, dass sich Gehirne von Kindern, die zusammen Musik machen – sei es in Chören oder Orchestern – besser entwickeln, als die von Altersgenossen, die das nicht tun. Es gibt mehr Verbindungen zwischen den beiden Hirnhälften. Dies wirkt sich auf die ganze menschliche Entwicklung aus und bringt nicht nur Vorteile in musikalischer Hinsicht. Insofern halte ich musikalische Erziehung für elementar in Hinblick auf eine positive Entwicklung in unserer Gesellschaft.
 
Frage: Wie kann in Ihren Augen eine Einrichtung wie der Windsbacher Knabenchor hier wirken?
 
Thomas Laske: In ebensolcher Weise, wie ich sie in der Antwort auf Ihre letzte Frage formuliert habe. Allerdings geht die musikalische Erziehung bei den Windsbachern ja weit über das Alltägliche hinaus. Im Gespräch mit den einzelnen Jungen habe ich immer wieder den Eindruck, dass auch das Gespür für die Beurteilung der musikalischen Qualität wirklich hochwertiger Darbietungen sehr weit entwickelt ist.  Darüberhinaus werden hier auch allein durch das Zusammenleben noch ganz andere Werte vermittelt. Mir ist bei meinen Projekten mit den Windsbachern immer auch der persönliche Kontakt zu den Chormitgliedern wichtig und ich freue mich immer wieder darauf, mit so tollen Jungs Kontakt zu haben!
 
Frage: Vervollständigen Sie doch bitte diesen Satz: Windsbach würde ich dem empfehlen,…
 
Thomas Laske:  …der für sein Kind den besten Knabenchor sucht.
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