Auf ins persönliche „Brahms-Jahr“

WINDSBACH (17. August 2010). Der Etat gibt leider keine Pressereise an den brasilianischen Urlaubsort von Chorleiter Karl-Friedrich Beringer her, doch zum Glück gibt es ja die Mail. Denn auch, wenn der „Chef“ sich hier erholt und Kräfte für die kommende Saison sammelt, ist er in Gedanken doch schon zuweilen mittendrin: Was ihn, den Chor und damit das Publikum der Windsbacher 2010/2011 erwartet, erzählt er im Journal-Interview.
 
Frage: Was waren die Höhepunkte in der vergangenen Saison, wenn Sie an einzelne Konzerte denken?
 
Karl-Friedrich Beringer: Ohne lange überlegen zu müssen, fällt mir spontan unser A cappella-Konzert in der Dresdner Frauenkirche am 7. November 2009 ein, wo wir mit achtstimmigen Werken von Mendelssohn, Brahms und Reger aufgetreten sind. Das Konzert war aus meiner Sicht eines der allerbesten, das der Chor je unter meiner Leitung gegeben hat.
 
Frage: Und was waren musikalische Highlights, wenn es um die Werke geht?
 
Karl-Friedrich Beringer: Auch hier würde ich an erster Stelle die Motetten von Brahms und Reger nennen, denn a cappella zu singen ist das Schwierigste für einen Chor. Natürlich fand ich die Aufführungen mit Schuberts G-Dur-Messe, Mozarts Requiem und Krönungsmesse, dem Gloria von Vivaldi oder der Bachkantate 27 musikalisch genauso großartig. Ich glaube insgesamt, dass wir in der vergangenen Saison doch recht viele „Highlights“ hatten – was natürlich keineswegs selbstverständlich ist. Eins ist sicher: Wir haben alle sehr intensiv und hart dafür gearbeitet. Und es hat sich gelohnt.
 
Frage: Wie ist der Chor zu Beginn des neuen Schuljahres aufgestellt? Kommen derzeit genug gute Knabenstimmen nach und wie verkraftet der Chor den Abgang von 13 Männerstimmen und damit ja gleich sieben Tenören?
 
Karl-Friedrich Beringer: Der Wille das hohe Niveau des Chores zu halten, ist bei allen Sängern mit Sicherheit vorhanden. Wie die neuen Knabenstimmen sich entwickeln, wird man sehen. Dasselbe gilt auch für den Verlust von sieben Tenören. Denn da waren zum großen Teil schon besondere Gesangsbegabungen dabei. Meine Chorsänger und ich versuchen auf alle Fälle unser Bestes!
 
Frage: Worauf freuen Sie Sich am meisten, wenn Sie am 13. September wieder „zum Dienst“ kommen?
 
Karl-Friedrich Beringer: Ich freue mich darauf, alle gesund, mit neuem Schwung und gut erholt wieder zu sehen – und darauf, dass ich dann endlich nach sieben Wochen Pause wieder Musik machen darf.
 
Frage: Wo liegen die besonderen Herausforderungen an den Knabenchor in der kommenden Saison?
 
Karl-Friedrich Beringer: Einmal darin, dass wir eben diesen starken Tenor-Abgang jetzt gleich schultern müssen; und vor allem, dass wir, bedingt durch den Männerstimmenabgang G8/G9,  einen noch weitaus größeren Männerstimmenverlust im Frühjahr vor uns haben. Das wird mit Sicherheit keine leichte Sache für uns.
 
Frage: Welche Projekte sind besonders spannend?
 
Karl-Friedrich Beringer: Eigentlich ist das kommende Schuljahr für den Chor und mich ein „Brahms-Jahr": im Herbst die Aufführungen mit dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin und im Frühjahr mit Kent Nagano und dem Bayerischen Staatsorchester; gleich darauf folgen die Aufführungen erstmals mit den Bamberger Symphonikern. Das ist eine enorme Herausforderung die sehr, sehr spannend ist und mich wirklich reizt. Aber auch meine Chorsänger freuen sich trotz der absehbaren Besetzungs-Schwierigkeiten auf dieses Brahms-Projekt.
 
Frage: Kurz nach Ferienende kommt die neue CD mit Volksliedern bei Sony raus. Was erwartet den Hörer hier?
 
Karl-Friedrich Beringer: Der Hörer erlebt bei dieser Aufnahme einen ganz bewusst zusammengestellten „bunten Strauß“ an bekannten und weniger bekannten deutschen Volksliedern, die durch interessante Vor-, Zwischen- und Nachspiele von Bläser-, Horn- und Streichquartett musikalisch miteinander verbunden sind. Ich glaube, das ist eine äußerst gelungene Aufnahme und wird mit den herkömmlichen Volkslieder-Einspielungen in ihrer Art nicht zu vergleichen sein.
 
Frage: Was ist Ihr persönlicher Wunsch für das kommende Schuljahr?
 
Karl-Friedrich Beringer: Ich wünsche mir, dass Begeisterung und Anspruch meiner Sänger auf hohe künstlerische Qualität weiterhin so bleiben – und ich vor allem die Kraft und die Nerven dazu habe, diese wertvolle Arbeit gemeinsam mit meinem Chor erfolgreich fortzusetzen.
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