„Für mich ist immer die Passion die schönste, die ich gerade einstudiere und dirigiere“

WINDSBACH. Packend und überzeugend will Karl-Friedrich Beringer mit dem Windsbacher Knabenchor die Johannespassion erzählen. Im Interview berichtet er über die spannende Aufgabe, diese in seinen Augen dramatischere der beiden Passionen zu erarbeiten.

Frage: Was bedeutet die Aufführung einer Bach-Passion für den Windsbacher Knabenchor?
Karl-Friedrich Beringer: Ich glaube, dass jedes der großen Bach-Werke für jeden Chor – und speziell gerade für einen Knabenchor – immer von besonderer Bedeutung ist. Im Gegensatz zur h-moll-Messe, dem Magnificat oder auch dem Weihnachtsoratorium „passiert“ in den Passionen ja viel mehr. Es steckt eine ungeheurer Dramatik in diesen Werken – und vor allem in der Johannespassion, weswegen diese Werke natürlich nicht nur für Kinder und Jugendliche deshalb vielleicht auch attraktiver ist.
Frage: Welchen persönlichen Bezug haben Sie selbst zur Johannespassion? Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie sie um ersten Mal gehört haben?
Karl-Friedrich Beringer: Gehört habe ich die Johannespassion erstmals im Alter von neun Jahren. Es war in unserer Familie Tradition, am Karfreitag eine Bach- Passion anzuhören. Da wir selbst keinen Plattenspieler hatten, sind wir sehr oft von Neuendettelsau nach Ansbach mit dem Zug zu einer eng befreundeten Familie gefahren – damals war das eine Tagesreise! –, um dann dort gemeinsam eine Bachsche Passion anzuhören. Einige Jahre später erlebte ich dann die Passionen bei der Ansbacher Bachwoche – vor allem die Aufführungen von Karl Richter haben mich immer tief und nachhaltig beeindruckt. Ich könnte nicht sagen, welche der beiden Passionen von mir nun mehr bevorzugt wird. Für mich ist immer die Passion die „schönste und größte und beste", die ich gerade einstudiere und dirigiere. Trotzdem ist nach meiner Auffassung die Johannespassion dramatischer, kurzweiliger und vielfarbiger. Man spürt förmlich den jungen, ja stürmischen und energiegeladenen 30-jährigen Bach.

Frage: Ist es eigentlich schwer, den Knaben und Männerstimmen die Dramatik dieser Musik zu vermitteln?
 

Karl-Friedrich Beringer: Es ist überhaupt nicht schwer! Man denke nur an die grandiosen Volks-Chöre wie „Wäre dieser nicht ein Übeltäter“ oder „Kreuzige ihn“ sowie an die unglaubliche  Vielfarbigkeit und Aussagekraft der elf Choralsätze.
 
Frage: Was sind denn Ihre „Lieblingsstellen“?
 
Karl-Friedrich Beringer: Wie bei den meisten Werken von Johann Sebastian Bach sind das eigentlich immer die Choräle. Gibt es etwas Schöneres, Aussagekräftigeres und Überirdischeres als den österlichen Schlusschoral „Ach Herr, lass Dein lieb' Engelein“?
 
Frage: Was ist die besondere Herausforderung bei der Gestaltung dieser Passion?
 
Karl-Friedrich Beringer: Eine besondere Herausforderung ist es nicht! Man muss lediglich bedenken, dass die Johannespassion vom gesangstechnischen Schwierigkeitsgrad erheblich höher einzustufen ist als die Matthäus-Passion. Wenn es eine „besondere Herausforderung“ für den Windsbacher Knabenchor und mich gibt, dann ist es der Ehrgeiz, diese Passion heute noch überzeugender, packender und einfach besser zu machen als früher. Das ist spannend – und sicherlich Herausforderung genug!

Der Windsbacher Knabenchor führt Bachs Johannespassion in diesem Jahr vier Mal auf: am 5. April (Karfreitag) um 15 Uhr in der Abteikirche Münsterschwarzach, am 6. April um 19.30 Uhr im Münchner Herkulessaal, am 8. April um 20 Uhr in der Berliner Philharmonie und am 10. April um 17 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden auf. Mitwirkende sind das Münchner Kammerchor sowie die Solisten Jutta Böhnert (Sopran), Rebecca Martin (Alt), Thomas Cooley (Tenor), Thomas Laske (Bass, Christus) und Detlef Roth (Bass, Arien). Informationen zum Kartenvorverkauf finden Sie im Konzertplan.

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