„Authentische Werbung überzeugt“
MÜNCHEN – „Windsbach hat ein Super-Image.“ Davon ist Filmproduzent Benjamin Myrus nicht zuletzt als ehemaliger Sängerknabe überzeugt. Um dieses Image einer breiteren Masse näherzubringen, kam es zu einer Kooperation mit dem Chor, deren Ergebnis jetzt auf DVD vorliegt.Frage: Wie kam es zum Projekt Imagefilm und zur Zusammenarbeit zwischen Dir und dem Windsbacher Knabenchor?
Benjamin Myrus: Der Film ist hauptsächlich für die Nachwuchswerbung gedacht und gemacht. Um möglichen Problemen hier bereits im Vorfeld zu begegnen, habe ich mir mal Gedanken gemacht, wie man die Nachwuchsgewinnung des Knabenchores auf breitere Füße stellen und dauerhaft etablieren könnte, so dass auch bei einem irgendwann im Raum stehenden Wechsel des Chorleiters kein Loch entsteht. Dabei hatte ich auch die Idee zu diesem Film. Im Sommer 2009 sprach mich dann der Manager Delf Lammers an, ob ich das Ganze in Windsbach vorstellen könnte, da damals an einer aktiveren Nachwuchswerbung gefeilt wurde.
Frage: Was ist das für ein Gefühl, als ehemaliger Windsbacher einen Film über den Chor zu drehen?
Benjamin Myrus: Für mich war das natürlich sehr spannend. Meine aktive Zeit in Windsbach liegt ja schon über 15 Jahre zurück; trotzdem habe ich aber hin und wieder Kontakt hierher gehabt, so dass ich nicht ganz überrascht wurde von den neuen Gebäuden und den teilweise neuen Gesichtern in der Führungsriege. Dennoch war es ein ganz eigenes Gefühl, wenn wir bei Aufnahmen im Chorsaal mit Kamera, Kran und Licht im Zuschauerraum herumsprangen, denn ich kenne den Chorsaal natürlich fast ausschließlich von der anderen Seite und fühlte mich automatisch auch dort hingezogen. Wir waren ja mehrere Tage in Windsbach und hatten auch Zeit, mit den Jungs zu sprechen, als die Kamera nicht lief. Ich war übrigens wirklich angetan vom positiven Umgang miteinander. Es weht ein positiver Geist durch die Gänge, geprägt von Respekt, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Spaß an der gemeinsamen musikalischen Aufgabe. Ich hatte das Glück, dass Herr Beringer an einem der Abende, an denen wir in Windsbach waren, eine Caipi-Klause für die Abiturienten schmiss, zu der ich netterweise auch eingeladen war. Das ist schon so ein Gefühl von „nach Hause kommen“ gewesen.
Frage: Wer soll mit diesem Film angesprochen werden?
Benjamin Myrus: Die DVD ist dafür gedacht, dass sie durch einen Multiplikator – vielleicht ein Fan des Chores oder ein ehemaliger Windsbacher, der Lehrer ist, oder aber auch Pfarrer oder Chorleiter – an Eltern, Lehrer oder Schüler weitergereicht wird. Jungen, die in der vierten Klasse sind, und deren Eltern sollen die Möglichkeit haben, Windsbach näher kennen zu lernen. Angesprochen werden sollen speziell Jungen, die gerne singen, die gut singen und die in den Augen des Multiplikators für Windsbach geeignet sein könnten. Der Film soll also das Bindeglied zwischen einem ersten Kontakt mit den Windsbachern – beispielsweise bei einem Konzert oder durch einen Lehrer – und einem Besuch in Windsbach sein. Er will Kinder und deren Eltern motivieren, den Kontakt nach Windsbach zu suchen und sich den Chor und das Internat persönlich anzusehen.
Frage: Beim vorliegenden Produkt handelt es sich um einen Imagefilm. Was ist für Dich das Image von Windsbach?
Benjamin Myrus: Meiner Erfahrung und Meinung nach hat der Windsbacher Knabenchor ein Super-Image – zumindest bei allen, die ihn kennen. Das Problem ist nur: Es kennen ihn eben leider nicht so wahnsinnig viele Leute. Das möchten wir nicht zuletzt auch mit dem Baustein Film ändern.
Frage: Welche Aspekte will der Film besonders herausstellen?
Benjamin Myrus: Der Film möchte zeigen, dass Windsbach Spaß macht und dass es bereichend ist, hierher zu kommen. Natürlich steckt auch Arbeit dahinter, ein Windsbacher zu sein. Aber Arbeit bedeutet nicht schuften und schwitzen: Arbeit in Windsbach heißt, ein gemeinsames Ziel zu definieren, dafür an einem Strang zu ziehen und sich reinzuhängen, zusammen Konzerte zu geben und die Erfolge zu genießen.
Frage: Wie ist der Film aufgebaut?
Benjamin Myrus: Im ersten Teil, der ungefähr anderthalb Minuten dauert, wird der Chor von einer Probe bis zu einem Auftritt beim Rheingau Musik Festival vorgestellt. Hier soll der Zuschauer, der vielleicht schon einmal vom Windsbacher Knabenchor gehört hat, einen Eindruck davon bekommen, welche Qualität dieser Chor hat, dass er sehr erfolgreiche Konzerte gibt, vor denen aber auch geübt werden muss und wie die Sänger das Erlebnis Konzert selbst empfinden. Im zweiten Teil mit einer Länge von etwa fünf Minuten werden durch die beiden Protagonisten Marlon und Max verschiedene Fragen, die oftmals auftauchen, wenn es um Internat und Chor geht, angesprochen und beantwortet. Dazwischen wird auch auf die Stadt Windsbach eingegangen und es gibt einen Einschub zur Reisetätigkeit des Chores. Der Film endet mit der Aufforderung der Choristen: Werde Windsbacher!
Frage: Der Film bedient sich ja einer ganz eigenen Sprache fernab vom weichgespülten Hochglanz-Duktus der Werbeindustrie – mit welcher Motivation?
Benjamin Myrus: Viele Leute, die Windsbach, das Singen in einem Chor und das Leben in einem Internat nicht kennen, stellen sich Fragen wie zum Beispiel: Singen die da den ganzen Tag oder kann man auch mal Fußball spielen? Wie ist das denn mit Heimweh, kümmert sich auch jemand um meinen Sohn? Chor und auch noch Schule, wie kann das denn funktionieren? Wenn die Jungs in den Stimmbruch kommen, müssen sie dann aufhören mit dem Singen? Diese Fragestellungen werden in einer situationsbezogenen Umgebung von einem der beiden Jungs aus ihrer Sicht und in ihrer eigenen Sprache beantwortet – ohne auswendig gelernte Phrasen.
Frage: Nach welchen Kriterien wurden die jeweiligen Szenen und Akteure ausgesucht?
Benjamin Myrus: Marlon und Max stammen aus einem Pool von Sängern, die das Chorbüro vorgeschlagen hat. Das Konzept sieht vor, dass zwei Schüler durch den Film führen. Ein jüngerer, mit dem sich Schüler, die sich für Windsbach interessieren, gut identifizieren können und der altersmäßig nicht zu weit weg ist; dann kommt auch ein älterer zu Wort, der zu Themen wie beispielsweise dem Stimmbruch etwas sagen kann. Das wichtigste Kriterium für mich war, dass die Jungs authentisch sind. Sie sind die Botschafter Windsbachs. Wenn sie sagen: „Windsbach macht Spaß“, dann muss das auch ihre echte Meinung sein – nur dann erreicht die Botschaft auch den Zuschauer. Im gesamten Film kommt übrigens kein Erwachsener zu Wort – auch der Chorleiter nicht, denn die Aussage eines Schülers, dass er sich in Windsbach wohl fühlt, ist doch viel stärker und authentischer.
Frage: Wer ist der Sprecher?
Benjamin Myrus: Marlon und Max sprechen selbst über ihre Situation im Chor und im Internat. Darüber hinaus gibt es einige Passagen zu Themen wie Chorreisen, das räumliche Umfeld des Internats und einige einleitende Sätze. Diese Informationen spricht Clemens Nicol, der ebenfalls ein ehemaliger Windsbacher ist und hier 2002 sein Abitur gemacht hat. Er arbeitet als professioneller Sprecher und Sprecherzieher in München. Viele haben ihn vermutlich schon als Nachrichtensprecher auf Bayern 1 und anderen Kanälen des Bayerischen Rundfunks gehört. Er hat keine Sekunde gezögert, als ich ihn wegen des Projektes angesprochen habe. Vielmehr meinte er, es sei ihm eine Ehre. Ich bin sehr froh, dass er der Sache mit seiner Stimme und seiner inneren Verbundenheit zu Windsbach eine professionell-persönliche Note gibt.
Frage: Mit welcher Technik und wie lange wurde an diesem Film gearbeitet?
Benjamin Myrus: Der Film wurde mit einer XDCam EX-Kamera gedreht, also in HD, so dass einer weiteren Verwendung des Drehmaterials für andere Projekte, die vielleicht auch in HD umgesetzt werden, oder für den Einsatz auf einer großen Projektionsfläche gedacht sind, nichts im Wege steht. Wir haben zu fünft drei ganze Tage in Windsbach gedreht und sind dann noch mit dem Chor zu einem Konzert in Kloster Eberbach mitgefahren, wo wir Teile der Probe und des Konzerts mit der Johannes-Passion von Bach aufgenommen haben. Aus verschiedenen Schnittvarianten entwickelten wir in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen vor Ort dann den Film in seiner jetzigen Form.
Der Film ist in der Rubrik Videos zu sehen!
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